Mit gemischten Gefühlen blicken wir auf die jüngsten Kommunalwahlen zurück. Klar, Sitze im Gemeinderat einzubüßen und die Wahl zu „verlieren“, ist nie schön. Aber es gibt noch andere, weitgreifendere Zahlen, die eine klare Sprache sprechen:
Fast im gesamten Landkreis Ebersberg sind Frauen in den politischen Gremien auch weiterhin unterrepräsentiert, viele sind nicht in die kommunalen Gremien gewählt worden – oder haben gar ihre Sitze verloren (https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/waehler-schicken-frauen-nach-hinten-durch-94214533.html, vom 12.3.2026). Auch in Forstinning ist das Ergebnis nicht so ausgefallen, wie wir es uns erhofft hatten – und ja, das hinterlässt bei uns einen bitteren Beigeschmack. So sehr es manchmal naheliegt, einfache Erklärungen zu suchen, wissen wir aus eigener Erfahrung: Das Problem ist komplex. Es ist zu einfach, nur mit dem Finger auf „die Männer“ zu zeigen. Die unbequeme Wahrheit ist auch: Viele Frauen wählen keine Frauen. Das beschäftigt uns. Warum fällt es uns als Frauen oft so schwer, uns gegenseitig politisch zu unterstützen? Liegt es daran, dass Frauen weniger sichtbar sind? Oder daran, dass wir – vielleicht unbewusst – strengere Maßstäbe an weibliche Kandidatinnen anlegen als an männliche? Diese Fragen lassen uns nicht los.
Was wir ganz konkret erleben, ist: Frauen bringen andere Perspektiven ein. In unserer politischen Arbeit setzen wir häufig Schwerpunkte bei Bildung, sozialer Gerechtigkeit, Familie, Pflege oder Nachhaltigkeit. Wir erleben Politik oft dialogorientierter, suchen den Ausgleich, denken langfristiger. Genau diese Vielfalt tut der Kommunalpolitik gut – und trotzdem spiegelt sie sich viel zu selten in den Wahlergebnissen wider. Für uns ist das nicht nur ein statistisches Problem, sondern eine Frage der demokratischen Qualität. Wir sind überzeugt: Es braucht ein Umdenken – bei uns allen. Frauen sollten Frauen wählen, nicht aus blindem Zusammenhalt, sondern aus dem Bewusstsein heraus, dass Repräsentation zählt. Dass unterschiedliche Perspektiven bessere Entscheidungen ermöglichen. Und dass Demokratie nur dann wirklich stark ist, wenn sie die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegelt.
Die Kommunalpolitik ist die Ebene, auf der wir ganz unmittelbar gestalten können. Hier geht es um das tägliche Leben der Menschen vor Ort. Umso wichtiger ist es, dass diese Lebensrealitäten auch im Gemeinderat vertreten sind. Die SPD Forstinning stellt in den kommenden sechs Jahren zwei von drei Frauen im Gremium. Für uns ist das Wahlergebnis deshalb beides: ein Dämpfer – und ein Ansporn. Wir machen weiter. Wir bleiben sichtbar. Und wir setzen uns dafür ein, dass sich etwas verändert. Mit einer erfahrenen und einer neuen Gemeinderätin. Denn eine Demokratie, in der mehr als die Hälfte der Gesellschaft nicht angemessen vertreten ist, ist noch lange nicht am Ziel.
Andrea Steiler und Christine Reichl-Gumz